Windkraft: Achtung Tiefflieger

Eine neue Studie zeigt: Bartgeier sind Tiefflieger. Dies birgt Risiken, wenn Windkraftanlagen an falschen Standorten geplant werden. Eine Gefahrenkarte soll helfen Gebiete zu identifizieren, die besonders kritisch sind. 

 

Bartgeier sind ausgezeichnete Segler. Ihre Nahrung finden sie beim grossräumigen Suchflügen wo sie nach Kadavern Ausschau halten. Mit den aktuellen Bestrebungen die Windkraft auch vermehrt in Bergregionen zu nutzen, fragt sich wieweit solche Anlagen Bartgeier gefährden können. 

Aktuelle Studie zeigt wo Bartgeier fliegen

Nun können wir das Kollsionsrisiko dank der Zusammenarbeit mit den Naturschutzbiologen der Universität Bern besser einschätzen. Wie aus der heute publizierten Studie (s. Vignali et al.>>) hervorgeht, besteht in 30 Prozent der Fläche der Schweizer Alpen ein hohes Risiko, weil Bartgeier meist in geringer Höhe fliegen. So lagen von 28 Sender-markierten Tieren 74% aller GPS-Lokalisation unterhalb von 200 Metern über Boden und damit im Kollisionsbereich von grossen Windkraftanlagen. Dabei sind besonders süd-exponierte, steile Hänge, wo Bartgeier gute Hangaufwinde finden, und Gebiete in denen viele Steinböcke leben, kritisch. 

Modellierung besonders Risikoreicher Gebiete

Aus dieser Arbeit und den Resultaten einer vorhergehenden Studie zur Habitatnutzung von Bartgeiern, wurden Risikokarten erstellt. Diese Karten weisen Gebiete aus in denen bereist zum vornherein eine hohe Kollisionsgefahr zu erwarten ist. Aber auch in den übrigen Bergregionen müssen sorgfältige Standortabklärungen getroffen werden, um die Risiken für Bartgeier und andere Arten zu minimieren.

Literatur

Vignali S, Lörcher F, Hegglin D, Arlettaz R, Braunisch V. 2022. A predictive flight-altitude model for avoiding future conflicts between an emblematic raptor and wind energy development in the Swiss Alps. R. Soc. Open Sci. 9: 211041. *

* Um ein breiteres Bild zu erhalten erarbeitet die Forschungsgruppe der Univ. Bern erarbeitet nun auch ein entsprechendes Modell für Adler.

PS

Die Studie wurde mit dem Hintermann & Weber-Forschungspreis für Naturschutz 2023 ausgezeichnet: 
https://hintermannweber.ch/forschungspreis/sergio-vignali>>

 

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