Joschi: Ergebnisse der Untersuchungen
Während Wildi immer selbständiger und in wenigen Wochen wohl ganz unabhängig von unserer Überwachung wird, ist dies bei Joschi leider nicht gelungen. Bereits eine gute Woche nach der Auswilderung haben wir diesen Jungvogel verloren.
Wie hier berichtet, bestand der Verdacht, dass ein Fuchsangriff der Grund für Joschis Tod war. Daher waren wir sehr besorgt und davon absorbiert, die bestmögliche Sicherheit für Wildi sicherzustellen. Gleichzeitig haben wir umfassende Abklärungen zur Todesursache von Joschi am Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit des Tierspitals in Bern (FiWi) veranlasst.
Joschi hatte gesundheitliche Probleme
Die Untersuchungen des FiWi zeigen ein differenzierteres Bild zu den Todesumständen. Joschi hatte zum Zeitpunkt des Todes offenbar gesundheitliche Probleme. Verschiedene Organveränderungen und der Nachweis bestimmter Bakterienstämme in den Organen weisen auf eine mögliche Blutvergiftung hin.
Am Tag bevor Joschi starb, konnte das Überwachungsteam keine Anzeichen erkennen, dass es Joschi nicht gut ging. Es ist aber bekannt, das Wildtiere und auch somit auch Vögel sehr gut verstecken, wenn sie nicht fit sind. Wir konnten auch nicht beobachten, dass sich Joschi verletzte. Daher lässt sich die Ursache der Blutvergiftung kaum mehr klären.
Da Blutvergiftungen innert Stunden auch ein sich zunächst unauffällig verhaltendes Wildtier stark schwächen können und aufgrund der Beurteilung aller bekannten Umstände, müssen wir davon ausgehen, dass ein Fuchs Joschi zwar angegriffen und getötet hat, dies aber nur möglich war, weil Joschi geschwächt und daher nicht oder nicht ausreichend wehrhaft war.
Bisher kaum Vorfälle mit Füchsen
Für diesen Befund sprechen auch folgende Beobachtungen: Zum einen ist Wildi trotz mehreren Begegnungen mit den Füchsen vor Ort, gut über die Runden gekommen. Zum anderen hatten wir bei allen Auswilderungen in der Schweiz noch nie einen derartigen Zwischenfall. Dies obwohl wir seit 1991 Auswilderungen durchführen, dabei insgesamt 56 Jungtiere ausgewildert haben und wir bei jeder Auswilderung auch Füchse in der Auswilderungsnische beobachten konnten.
Eine kleine Ungewissheit bleibt dennoch: Von bisher über 400 in Europa ausgewilderten Bartgeiern sind fünf Fuchsangriffe bekannt, davon verliefen in Frankreich ein und in Spanien zwei Vorfälle tödlich. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass auch bei diesen Fällen gesundheitliche Einschränkungen des angegriffenen Bartgeiers zu den Verlusten beigetragen haben.
Kleines Restrisiko lässt sich kaum vermeiden
Füchse können unter gewissen Umständen zum Risiko für junge Bartgeier werden. Leider lässt sich dies nicht ganz verhindern. Denn Füchse sind im gesamten Alpenraum unterwegs und können im schwierigen alpinen Gelände kaum ganz von den Bartgeiern ferngehalten werden. Dies gilt insbesondere nach dem Ausfliegen, wo die Jungtiere meist irgendwo im Gelände landen und zum Schlafen noch keine sicheren Plätze aufsuchen.
Wir vermuten jedoch, dass Joschi ohne Schwächung kaum vom Fuchs getötet worden wäre. Durch Ablenkfütterungen, Absperrungen und eine gute Überwachung versuchen wir dennoch das Risiko durch Füchse so gering wie möglich zu halten. Und glücklicherweise zeigen die Zahlen, dass die Gefahr, die von Füchsen ausgehen kann, insgesamt äusserst gering ist.