Überwachung

Die Überwachung: Ein Schlüssel zum Projekterfolg

Eine einmal ausgestorbene Art zurück zu bringen, ist nicht einfach. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) hat deshalb detaillierte Richtlinien festgelegt, wie Wiederansiedlungen ausgestorbener Arten zu erfolgen haben. Ein zentrales Element ist die Überwachung der ausgewilderten Tiere und die Durchführung demographischer, ökologischer und ethologischer Studien. Denn nur mit einer sorgfältigen wissenschaftlichen Begleitung ist es möglich, den Erfolg einer Wiederansiedlung laufend zu beurteilen, Probleme frühzeitig zu erkennen und über zielführende Massnahmen zu entscheiden. Das Monitoring der Wiederansiedlung ist deshalb neben den Auswilderungen und der Kommunikation ein zentrales Element unserer Arbeit.

Monitoring mit verschiedenen Methoden

Das Monitoring des Wiederansiedlungsprojekts erfolgt mit sehr unterschiedlichen Methoden. Die wesentlichen Bestandteile unserer Überwachung sind 1) das Monitoring mittels individueller Markierungen, 2) die gezielte Beobachtung von Brutpaaren, 3) das genetische Monitoring und 4) die Überwachung von Bartgeiern mit Hilfe von Satellitensendern.

Sichtbeobachtungen: Bitte melden!

Damit wir die Entwicklung der ausgewilderten Bartgeier verfolgen können, werden die Bartgeier individuell markiert. Dauerhafte Fussringe und individuelle Bleichmuster, die durch das Aufhellen einzelner Federn erzielt werden, kommen dafür zum Einsatz. Werden uns Beobachtungen von markierten Bartgeiern gemeldet, erhalten wir wertvolle Informationen zum Verbleib dieser Tiere. Auch Meldungen von Tieren ohne Markierungen können uns Hinweise zur Verbreitung und Häufigkeit von Bartgeiern geben. Fotos sind besonders hilfreich, da wir damit oftmals das Alter der beobachteten Tiere einschätzen können. Deshalb sind wir sehr froh über jede Beobachtung, die uns übermittelt wird. Hier geht es direkt zu unserem Meldeformular>>

Mithelfen bei Beobachtungstagen

Jeden Herbst werden im gesamten Alpenraum die Internationalen Bartgeier-Beobachtungstage durchgeführt. Bei diesem Ereignis helfen jedes Jahr mehrere hundert Freiwillige mit die Bestandesentwicklung der Bartgeierpopulation zu erfassen. Hier finden Sie die Informationen zur Teilnahme bei den Beobachtungstagen>>

Sorgfältige Überwachung der Brutpaare

Brütende Bartgeier können sehr empfindlich auf Störungen reagieren. Der Schutz der Brutstandorte ist daher wichtig für den Erfolg der Wiederansiedlung. Unsere Regionalkoordinatoren>> gehen allen Hinweisen auf Paarbildungen nach. Zusammen mit der Wildhut und Freiwilligen aus den jeweiligen Regionen überwachen sie die Bartgeier während der Brut- und Aufzuchtsperiode. Dies hilft, den Schutz der wertvollen Bruten zu verbessern. Gleichzeitig erhalten wir wertvolle Daten zur Bestandesentwicklung. Unsere Regionalkoordinatoren, die noch weitere Überwachungs- und Kommunikationsaufgaben übernehmen, spielen somit eine zentrale Rolle im Wiederansiedlungsprojekt.

Genetisches Monitoring der Bestandesentwicklung

Bevor Bartgeier ausgewildert werden, wird jeweils von allen Tieren ein genetischer Fingerabdruck erstellt. Werden später im Feld Federn von Bartgeiern gefunden, können diese im Labor untersucht und dem entsprechenden Individuum zugeordnet werden. Indem wir bei brütenden Paaren nach der Brutsaison gezielt gemauserte Federn der Alt- und Jungtiere sammeln, erhalten wir zum einen Aufschluss über die Identität der brütenden Bartgeier. Zum anderen können wir gleichzeitig die genetischen Profile von wildgeschlüpften Jungtieren erstellen. Das genetische Monitoring ist also ein wichtiges Instrument, mit dem wir den noch kleinen Bartgeierbestand mit populationsgenetischen Methoden untersuchen können.

Satellitensender verraten, wo die Bartgeier sind

Mithilfe von kleinen, mit Solarstrom betriebenen Satellitensendern erhalten wir ein sehr detailliertes Bild über die Streifzüge und das Raumverhalten von Bartgeiern. Dabei kommen meist Geräte zum Einsatz, die GPS-Lokalisationen sammeln und diese in regelmässigen Abständen über das Handynetz übermitteln. So sind wir in der Lage, die Bartgeier während mehrerer Jahre sehr nahe zu überwachen und einzuschreiten, wenn wir Probleme feststellen. Bereits ist es mehrmals gelungen, geschwächte Bartgeier zu retten, die sonst gestorben wären. Zudem erhalten wir wertvolle Hinweise, welchen Risiken die Bartgeier ausgesetzt sind. Die Streifzüge der Sender-markierten Bartgeier können auch auf unserer Website mitverfolgt werden (s. „Bartgeier unterwegs“).
 

IBM – die internationale Datenbank für Bartgeier

Bartgeier benötigen einen grossen Lebensraum, um einen tragfähigen Bestand aufbauen zu können. Daher braucht es im Wiederansiedlungsprojekt ein über den ganzen Alpenraum koordiniertes Vorgehen. Die Stiftung Pro Bartgeier arbeitet bei den Auswilderungen und beim Monitoring eng mit den Partnern aus Österreich, Italien und Frankreich zusammen. Ermöglicht wird dies durch das internationale Programm zur Überwachung der Bartgeier, dem sogenannten IBM (International Bearded vulture Monitoring). Das Komitee, welches aus Vertretern aller Alpenregionen zusammen gesetzt ist, koordiniert die Aktivitäten zum Monitoring und stimmt sie aufeinander ab. Ein zentrales Element ist dabei die IBM Datenbank, in der alle Daten aus dem internationalen Programm zusammengeführt werden.