Mittwoch, 25.05.2016

Auswilderung 2016: Alois & Cierzo bald in Melchsee-Frutt

Alois und Cierzo heissen die jungen Bartgeiermännchen, die am kommenden Sonntag dem 29. Mai 2016 auf Melchsee-Frutt im Eidgenössischen Wildtierschutzgebiet Huetstock ausgewildert werden. 2015 hat die Stiftung Pro Bartgeier hier drei junge Bartgeierweibchen angesiedelt. Diese haben ihr erstes Jahr in freier Wildbahn erfolgreich gemeistert und damit bewiesen, dass sich die Region vorzüglich für die Auswilderung von Bartgeiern eignet. Mit der Fortsetzung des Projekts in der Zentralschweiz will die Stiftung Pro Bartgeier erreichen, dass sich bis in einigen Jahren der Bartgeier auch hier wieder fest niederlässt.


Ewolina, Trudi und Sempach II waren die ersten drei Bartgeier, die im Sommer 2015 in der Zentralschweiz ausgewildert wurden. Mit diesen Junggeiern startete eine neue Etappe des Wiederansiedlungsprojektes. Dank des langfristig angelegten Projekts gehört dieser eindrückliche Segler, der vor rund 100 Jahren in den Alpen ausgerottet wurde, in den Kantonen Graubünden und Wallis wieder zur heimischen Fauna. Dies soll nun auch in der Zentralschweiz erreicht werden.

Die Stiftung Pro Bartgeier zieht eine sehr positive Bilanz der letztjährigen Auswilderung in der Zentralschweiz. Die drei ausgewilderten Tiere haben sich gut entwickelt und den ersten Winter erfolgreich gemeistert. Damit ist gezeigt, dass sich dieses Gebiet im Eidgenössischen Wildtierschutzgebiet Huetstock für die Auswilderung von Bartgeiern bestens eignet. Bemerkenswert ist auch der grosse Rückhalt, den das Projekt in der Region geniesst. Behörden und Alpbewirtschafter, Jagdkreise und Naturschutz, Tourismus und lokales Gewerbe sind stark in das Projekt eingebunden und helfen tatkräftig bei der Realisierung der Wiederansiedlung mit. „Dieses Engagement ist für den Schutz der Bartgeier äusserst wertvoll“, meint Peter Lienert, der sich als ehemaliger Kantonsoberförster für die Initiierung dieses Projekt besonders eingesetzt hat. Dann als besonders empfindliche Art, die sich nur sehr langsam fortpflanzt, ist der Bartgeier auf eine grosse Akzeptanz und einen starken Schutz angewiesen.

Dieses Jahr kommen nun die zwei junge Bartgeiermännchen Alois und Cierzo aus dem andalusischen Zuchtzentrum Guadalentin hinzu. Zum Zeitpunkt der Auswilderung sind sie drei Monate alt und noch flugunfähig. Bei ihren ersten Flügen im Alter von vier Monaten werden sich die Junggeier die Auswilderungsregion gut einprägen. In fünf bis sechs Jahren sollten sich die bis dann geschlechtsreifen Bartgeier in der Zentralschweiz niederlassen und zu brüten beginnen.

  • Das Programm zum Anlass finden Sie hier>>

Geier weltweit bedroht

Im Alpenraum und besonders in der Schweiz ist die Wiederansiedlung des Bartgeiers ein grosser Erfolg. Der Einsatz über drei Jahrzehnte hinweg hat sich gelohnt. Heute brüten Bartgeier im Alpenraum wieder an 29 Standorten, allein neun davon liegen in der Schweiz. Neben dem aufwendigen Wiederansiedlungsprojekt ist dieser Erfolg dem Umstand zu verdanken, dass in unseren Alpen heute wieder gute Bestände von wilden Huftieren, insbesondere von Steinböcken und Gämsen, leben. Zudem geniesst der Bartgeier bei uns eine hohe Akzeptanz, und die Verwendung von Giftködern, die in vielen Regionen der Welt illegal zur Dezimierung von Wildtieren eingesetzt werden, kommt in der Schweiz äusserst selten vor. Weltweit sind viele Geierbestände jedoch stark zurückgegangen und verschiedene Arten bereits grossflächig verschwunden. Dies trifft auch auf den Bartgeier zu. Die Stiftung Pro  Bartgeier arbeitet deshalb stark mit der Vulture Conservation Foundation, einer Europäischen Geierschutzorganisation, zusammen und trägt damit über die Ländergrenzen hinweg zum Bartgeierschutz bei.

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