Die Rückkehr von Lepontino II

Lepontino II ist ein Junggeier, der 2025 im Tessin ausgeflogen ist. Anfangs April 2026 hat eine Anwohnerin den jungen Bartgeier im Kanton Glarus geschwächt aufgefunden. Es zeigte sich, dass das Bartgeiermännchen unter starken Gleichgewichts- und Koordinationsproblemen litt, deren Ursache möglichweise eine Bleivergiftung war. Nach einer langwierigen Behandlung im Natur- und Tierpark Goldau konnten wir den jungen Bartgeier letzte Woche wieder fliegen lassen. Als Götti oder Gotte kann man die Rückkehr von Lepontino II unterstützen.

Ein Zufallsfund im letzten Moment

Anfang April entdeckte die Anwohnerin Marianne Zweifel im hinteren Linthal (GL) einen Bartgeier, der am Boden sass und nicht mehr imstande war wegzufliegen. Sie meldete den Fund umgehend dem Glarner Wildhüter Samuel Gantner. Dieser reagierte sofort und brachte den stark geschwächten Bartgeier in das Tierspital Zürich. Hier stellten sie zudem fest, dass er unter starken Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen litt.

Kollisionen und Blei sind tödliche Gefahren

Häufige Ursachen solcher Symptome sind Kollisionen mit Infrastrukturen wie Kabel oder Bleivergiftungen. Tatsächlich wurden im Blut erhöhte Bleiwerte festgestellt. Allerdings waren die Werte nicht so hoch, dass derart schwere Symptome zu erwarten wären.

Wir vermuten daher, dass ein Aufprall ein Schädel-Hirn-Trauma verursacht haben könnte. Es ist bekannt, dass auch tiefere Bleibelastungen die Vitalität und Reaktionsfähigkeit von Greifvögeln einschränken, was sie wiederum anfälliger für Unfälle macht.

Bei Greifvögeln besteht die Gefahr, dass sie Blei über die Nahrung aufnehmen, wenn sie Überreste von Wildtieren fressen, die mit bleihaltiger Munition erlegt wurden. Aus diesem Grund wird der Einsatz von bleihaltiger Jagdmunition zunehmend eingeschränkt und immer mehr Jäger setzen bereits freiwillig auf bleifreie Alternativen. 

Wo sich Lepontino II die Bleibelastung zugezogen hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Der Fall verdeutlicht jedoch, wie wichtig der Umstieg auf bleifreie Jagdmunition ist.

Identifikation dank Genetik

Wer der Junggeier ist, wissen wir dank genetischen Analysen. Sie verrieten uns nicht nur sein Geschlecht, sondern auch seine Herkunft: Lepontino II ist das zweite Jungtier des ersten Tessiner Brutpaares und hat bereits zwei Geschwister: Lepontino aus dem Jahr 2023 und Lepontino III, das Jungtier, das im Sommer 2026 ausgeflogen ist.

Der lange Weg der Genesung

Aufgrund der schweren Symptome und der zu erwartenden langen Genesungszeit wurde Lepontino II nach seinem Aufenthalt im Tierspital Zürich in den Natur- und Tierpark Goldau mit seinem sehr erfahrenen Tierärtz:innenteam überführt. Das Team kümmerte sich in den vergangenen Monaten mit grossem Einsatz um den jungen Bartgeier. 

Durch intensive Pflege und Behandlung verbesserten sich dessen Koordinationsfähigkeiten zunehmend. Die Flugtests in einer Reithalle stimmten uns schliesslich zuversichtlich, dass er wieder sicher starten und schnell an Höhe gewinnen konnte, was Voraussetzungen für eine erfolgreiche Freilassung sind. 

Ein neuer Start

Letzte Woche war es dann so weit: Ein Projektteam brachte Lepontino II zurück ins hintere Linthal, um ihn fliegen zu lassen. Die Spannung war gross: Würde der Jungvogel starten und stabil fliegen können? Zu unserer grossen Erleichterung verlief alles ohne Probleme: Kaum auf den Boden gesetzt, flog Lepontino II ab und segelte davon (s. Bildstrecke & Video unten).

Gut überwacht 

Trotz der erfolgreichen Freilassung bleibt eine gewisse Unsicherheit. Ist Lepontino II wirklich vollständig genesen und kann er sich in seinem Lebensraum behaupten? Damit wir seine Rückkehr möglichst genau verfolgen und bei Problemen rasch eingreifen können, haben wir ihn mit einem kleinen GPS-Sender ausgestattet. Dieser liefert uns täglich Daten über seinen Aufenthaltsort.

Als Götti oder Gotte unterstützen

Die Rückführung eines Jungvogels in die freie Wildbahn und dessen Überwachung sind mit grossem Aufwand verbunden: Feldeinsätze, Sendermaterial und Datenübermittlung verursachen erhebliche Kosten. Daher suchen wir Göttis und Gotten, die die Rückkehr von Lepontino II mit einer Spende unterstützen möchten. 

Wie die Unterstützung funktioniert, erfahren Sie hier>>