Brutpaar Tessin identifiziert
Jahrelang galt der männliche Bartgeier Herculis als verschollen. Dank unsere Überwachung und der genetischen Analyse aufgefundener Federn konnten wir ihn und dessen Partnerin, ein wildgeschlüpfter Bartgeier mit Engadiner Vorfahren, nun im Tessin als Brutvögel identifizieren.
Die Ringe verraten: Herculis ist das Männchen
Bei den routinemässigen Kontrollen des ersten Bartgeier-Brutpaares im Tessin entdeckte Patrick Scimé, unser Regionalkoordinator vor Ort, nicht nur, dass ein Elterntier Fussringe trägt, sondern er konnte auch die eingravierten Ziffern aus grosser Distanz entziffern und damit die Identität dieses Vogels zu bestimmen: Es handelt sich um das Männchen Herculis.
Der Vogel wurde 2015 im italienischen Alpi Marittime Nationalpark ausgewildert. Zuletzt war er 2018 in Italien und Frankreich gesichtet worden – danach verlor sich jede Spur. Umso mehr freuten wir uns, als klar wurde: Herculis lebt und ist im Tessin als Brutvogel heimisch geworden.
Das Weibchen mit Engadiner Vorfahren
Die Herkunft des Weibchen blieb zunächst unbekannt – bis eine Blutprobe des Jungvogels Lepontino II dessen Herkunft klärte. Die Mutter wurde als GT0092 identifiziert – ein wildgeschlüpftes Weibchen, dass erstmals 2016 nachgewiesen wurde. Sie ist eine Nachfahrin von Felice (ausgewildert 2001 im Schweizerischen Nationalpark) und Heinz-Serraglio, einem der ersten wild geschlüpften Bartgeier im Nationalpark überhaupt (Schlupfjahr 2007).
Solche Analysen erlauben es uns, die familiären Linien der Bartgeier über mehrere Generationen lückenlos zurückzuverfolgen. Diese Daten sind für uns von unschätzbarem Wert, denn sie helfen uns, die genetische Vielfalt der Population und die Überlebenschancen der Bartgeier in den Alpen möglichst gut einzuschätzen.