Mönchsgeier
Auch heute tauchte Wildi nicht am Henglihang auf. Allerdings flogen zwei Steinadler, kurz auch Elfie und der gleichaltrige wildgeschlüpfte Bartgeier, sowie etliche Gänsegeier über den teils wolkenfreien Himmel. Zwischen all den Gänsegeiern flog heute tatsächlich auch Europas grösster Geier: der Mönchsgeier. Mit einer Spannweite von 2,95 m übertrifft der Mönchsgeier (Aegypius monachus) sogar den Bartgeier. Im Gegensatz zum Gänsegeier haben Mönchsgeier gleichmässig sehr breite Flügel, mit langen «Fingern» und ihr Gefieder ist komplett dunkel. Von Nahem ist die Bestimmung adulter Vögel durch den hellbraunen Kragen, der im Kontrast zum sonst schokoladenbraunen Gefieder steht, noch eindeutiger. Die jüngeren Tiere haben einen dunkelbraunen Kragen. Zur Unterscheidung von adulten und juvenilen Mönchsgeiern kann auch der Schnabel betrachtet werden. Dieser ist bei adulten Tieren von einer blaugrauen, bei jüngeren Tieren von einer rosa Wachsschicht überzogen. Generell sind die Schnäbel dieser Geierart extrem kräftig, sodass sie nicht nur Haut, sondern auch Sehnen zerreissen können. An Kadavern stehen diese grossen Geier an erster Stelle und bedienen sich als erstes, vor Gänse- und Schmutzgeiern. In der Schweiz sind Mönchsgeier, genau wie Gänsegeier nur Sommergäste, jedoch werden sie sehr viel seltener gesichtet. Ihre Verbreitung beschränkt sich momentan auf Populationen in Südwesteuropa (Frankreich, Spanien, Portugal) und kleine Populationen in Dadia, Griechenland und der Ukraine. Ihr sehr langsamer, aber erfreulicher Bestandszuwachs ist unter anderem auf Wiederansiedlungsprojekte und auf eine Änderung der Forstwirtschaft zurückzuführen, da sie im Gegensatz zu allen anderen europäischen Geierarten nicht in Felswänden, sondern vorwiegend auf Bäumen brütet.
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